Anni Zitzmann, geb. Helldörfer

Hebamme im Landkreis Hersbruck

* 27.Dezember 1919

† 3.August 2008

Anni Zitzmann als junge Dame

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Zuletzt aktualisiert am 2.9.2008, 19:40 Uhr

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Es beginnt mit dem 27.Dezember 1919

Geboren im historischen Kühlenfels bei Pottenstein und aufgewachsen im Nachbarort Waidach. Anni hat bereits eine neun Jahre ältere Schwester (Elisabeth Krömau; sie lebt im Altenheim in Pegnitz). Als Kleinkind arbeitete Anni bereits fleißig in der elterlichen Bäckerei in Waidach. Mit fünf Jahren erlebte Sie dann den ersten schweren Schicksalsschlag, als die Bäckerei bis auf den Grund abbrannte. Und mit sechs Jahren folgte gnadenlos der nächste, als ihre Mutter unerwartert aus dem Leben schied. Die Erinnerung an dieses Ereignis rief bei Anni auch nach 82 Jahren noch Tränen hervor. Einige Zeit später heiratete Annis Vater Christoph Helldörfer wieder. Daraus erwuchs Annis 11 Jahre jüngerer und geliebter Halbbruder Albrecht, der bereits Jahre vor Anni selbst verstarb (*2.5.1930, † 5.6.2001).

1925 – 1933

Anni besuchte die Volksschule vom 6. bis zum 14. Lebensjahr. In dieser Zeit zeigte sie eine enorme Begabung für Schauspielerei und zog mit der Schautruppe ihrer Schule in Mittelfranken umher. Während ihrer Schulzeit wurde Prof. Dr. Hans Brand auf sie aufmerksam und begann sie zu fördern.

1934 – 1937

Im Alter von 15 vermittelte Brand sie für drei Jahre nach München um dort weitere Schulausbildung zu erfahren. Anni lebte dort bei Brands Verwandten und übernahm dafür deren Haushalt. Obwohl Brand selbst später mit der Waffen-SS zu tun hatte, geriet dies nie in Annis Wahrnehmung. Noch vor dem Krieg hatte Brand in München Anni gegenüber den Hitler als unheilbringend geschildert. Während des Krieges gab es keinen Kontakt zwischen den Beiden und bis zu Brands Tod im Jahr 1959 nur sporadischen Briefkontakt ohne politische Inhalte.

1937 – 1939

Vom 18. bis zum 20. Lebensjahr lebte sie in Nürnberg. Anni absolvierte eine Ausbildung zur Hotelfachfrau im Fischhäusla in Fürth und arbeitete dort als Bedienung und Köchin. Doch in ihr reifte der Wunsch einen Heilberuf zu ergreifen. Schließlich ergab sich die Chance zur Ausbildung als Hebamme in Bamberg (noch vor Kriegsbeginn). Die Hebammenschule hat sich Anni selbst finanziert, größtenteils durch Erspartes aus der Zeit im Fischhäusla.

Kriegsjahre

Wegen der Bombardements auf Bamberg wurde Anni nach Burg Ellern bei Scheßlitz versetzt. Dort herrschte kaum Kriegsgeschehen und Anni blieb vom Krieg weitestgehend unberührt, doch die Ausbildungszeit verlängerte sich bis zum Kriegsende.

28.März 1945

Anni schloss die Prüfung zur Hebamme mit der Bestnote ab (Prüfungsdokument).

1945

Gegen jeden Rat der Verwaltungsbehörden nahm Anni die Tätigkeit als Gebietshebamme im Landkreis Hersbruck offiziell auf.

1945 – 1949

Die ersten Berufsjahre waren extrem schwer für Anni, da die Tätigkeit als Hebamme im Landkreis Hersbruck kaum zum Selbsterhalt ausreichten. Entlohnung gab es oftmals nur in Form von Lebensmitteln (Beispiel Bohnenkaffee). Dennoch wusste sie bereits damals, dass das Hersbrucker Land ihre Heimat werden würde. Somit siedelte Anni in Hohenstadt bei Pommelsbrunn an. Anni baute sich unablässig ihre Existenz als Hebamme auf und erwarb als erste Hebamme ein Motorrad, um immer schnell und überall hinzukommen.

1949

Anni heiratete ihren langjährigen Verlobten Georg Zitzmann, der erst kurz vorher aus russischer Kriegsgefangenschaft heimkehrte. Georg fand Beschäftigung als Schneider bis zu seiner Berufsunfähigkeit in den frühen 80er Jahren. Sie versorgte und pflegte ihn neben ihrer Tätigkeit als Hebamme. Georg erlag seinen Leiden im Jahr 1987.

Die 50/60er Jahre

Beruflich ging es bergauf. Anni und Georg erwarben einen VW-Käfer und bezogen ihr Haus in der Hirtengasse 6 in 91224 Pommelsbrunn (Ortsteil Hohenstadt). Sie erlebten ihre besten Jahre. Anni wurden wertvolle Freundschaften geschenkt, u. a. zu Willy S. und ihrer treuen Kollegin Ingrid W. Allein der Umstand ungewollter Kinderlosigkeit wog schwer gegen den Nachkriegsaufschwung.

1970

Anni wurde vom damaligen Herrn Landrat Hartmann für ihre 25 jährige Berufstätigkeit geehrt. Dazu erschien damals ein Zeitungsartikel in der Hersbrucker Zeitung (mit freundlicher Genehmigung der Hersbrucker Zeitung). Damals waren es bereits ca. 3500 Geburten und mehr als die Hälfte davon als Hausgeburten.

~1990

Anni zog sich aus dem aktiven Geburtshelferdasein zurück.

In Rente

Anni übernahm die Verantwortung für einen pflegebedürftigen Bekannten und pflegte auch diesen einige Jahre lang bis zu dessen Verscheiden. Anni selbst litt in ihren letzten Jahren zunehmend an Diabetes, chronischen Schmerzen, eingeschränktem Seh- und Hörvermögen sowie einem Herzklappenfehler. Allmählich wurde sie selbst immer abhängiger von fremder Hilfe. In den letzten schweren Jahren kümmerten sich v. a. ihr Cousin Dr. Christoph Maier und ihr Nachbar Peter Hartmann um sie. Herr Hartmann ist eines von Annis vielen Kindern und war in liebevoller Weise stets für Anni da.

Sonntag, 3.August 2008

Anni litt am meisten unter der Abhängigkeit von anderen und war bis zum Ende bemüht, so viel wie möglich selbst zu schaffen. Ab April 2008 musste sie jedoch ihr geliebtes Zuhause vorübergehend verlassen um in ein Pflegeheim zu wechseln. Ihre größte Hoffnung, wieder nach Hause zurückzukehren, konnte nicht mehr erfüllt werden: Anni erlag trotz geistiger Gesundheit schließlich im Krankenhaus Hersbruck ihren körperlichen Gebrechen.

Resümee

Anni war ihr ganzes Leben lang mit Leib und Seele Hebamme. Ihr Name als zuverlässige, hilfsbereite und kompetente Hebamme wurde über das Hersbrucker Land hinaus auch bekannt in Erlangen, Fürth und Nürnberg. Sie liebte ihren Beruf und Kinder über alles.

Anni ca. 1970 Anni Ende der 80er Jahre